Jeder bekommt die Weltsicht, die ihm passt.

So steht’s geschrieben in einem mal wieder sehr interessanten Artikel von Götz Hamann in der Zeit zum Thema “Digitale Vielfalt”, speziell bezogen auf das für die Meinungsbildung immer noch mit Abstand wichtigste Medium: Das Fernsehen. Dort wird’s in Zukunft immer mehr Nischenprogramme geben, und im Artikel heisst es treffend:

“[...]jeder, der will, kann sich ausufernd, wenn nicht sogar ausschließlich mit Stars und Fernsehwelten umgeben, die ihn bestätigen.[...]War das Fernsehen in seinen Anfängen ein Tor zur Welt, lockt das Medium jetzt in die Nische. Bei der Unterhaltung genauso wie bei der Information.[...]Jeder bekommt die Weltsicht, die ihm passt.”

Im Netz ist das alles ein wenig anders, weil es dort nie eine vergleichbare Situation mit derartig wenigen Anbietern gab, wie das beim Fernsehen der Fall ist. Ich kann auf Telepolis schauen, ich kann Spreeblick lesen, ab und zu mal einen (distanzierten!) Blick auf spon werfen, ich habe verschiedene Feeds abonniert. Hier war es schon immer jedem möglich, sich ein persönliches Informationsangebot zusammenzuklicken.

Spannend wird die Frage dann, wenn man sich die Ansätze anschaut, die anhand eines persönlichen Profils (also unter Berücksichtigung von Präferenzen, Historie, Bewertungen) automatisch versuchen, nur noch “passende” Informationen zu mir durchzulassen. Immerhin hat der Tag ja nur 24 Stunden, und wenn ich tatsächlich von ALLEN mich potentiell interessierenden Seiten Feeds hätte und diese auch noch lesen würde…geht schlicht gar nicht. Der Effekt, der sich bei Einsatz eines solchen Filters dann aber einstellen würde, wäre vermutlich ähnlich, wie es der Saarbrückener Professor für Medienpsychologie Peter Winterhoff-Spurk laut Artikel erwartet: Man wird immer seltener entdecken, was man nicht kennt – und das führt zu einem Horizontverlust.

Aber vielleicht braucht’s dazu auch gar nicht solche Techniken. Die meisten Leute schaffen es auch so, bevorzugt (oder nur) die Informationen wahrzunehmen, die sie in Ihrem Weltbild bestätigen. Das können FAZ-Leser genauso gut wie TAZ-Leser. Jeder pflegt sein Klischee. Für den einen sind Hartz-4-Empfänger faule Schmarotzer, für den anderen arme ausgebeutete Opfer des herzlosen und bösen Staats. Und auf diesem Niveau scheint sich mir der gesellschaftliche Diskurs bei fast allen interessanten Themen abzuspielen. Traurig.

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